Forum Über den Tellerrand schauen: Kinder und Familien in sehr schwierigen Lebenssituationen
Wie wird im Kontext der Tagesgruppenarbeit in den Niederlanden, Schweden und Deutschland damit umgegangen?

Niederlande
Es wird geschätzt, dass es in drei bis fünf Prozent aller Familien in den Niederlanden vielfältige, sehr komplexe Probleme gibt. Es geht um 75.000 bis 116.000 sogenannte „Multiprobleemgezinnen“, d.h. Familien, in denen mindestens ein Elternteil und ein Kind mit einer Kombination aus sozio-ökonomischen und psychosozialen Problemen zu kämpfen haben.

Viele Fachkräfte finden es schwierig, „Multiprobleemgezinnen“ zu helfen, denn eine spezielle Herangehensweise ist gefordert. Außerdem erzeugt dieser Begriff oft negative Assoziationen, auch bei den Mitarbeiter_innen in der Jugendhilfe.

Die zurzeit in den Niederlanden geltende neue Richtlinie „Multiprobleemgezinnen“ für Jugendhilfe und Jugendschutz entscheidet sich daher für einen positiven Ansatz mit folgenden Fragestellungen: Wie definiert man gemeinsam mit der Familie, wo ihre Probleme liegen und welche Anliegen sie haben? Woran möchte die Familie arbeiten und wie wird der Sozialraum beteiligt?

Daniel Wienke, Nederlands Jeuginstitut, Eindhoven

Schweden
In Schweden gibt es, wie überall, Kinder und Familien in schwierigen Lebenssituationen. Es werden in Schweden insbesondere Anstrengungen unternommen, früh präventiv aktiv zu werden, um möglichst frühzeitig Unterstützung und Hilfe für das Kind und dessen Familie zu organisieren. Das schwedische Jugendhilfesystem bietet verschiedene Formen der Unterstützung und Hilfe an. Eine sehr niedrigschwellige Form ist die Kontaktfamilie.

Dr. Lotta Berg Eklundh, FoU Nordost-Zentrum für Forschung und Entwicklung Sozialer Arbeit, Stockholm

Deutschland
In Deutschland steigt die Zahl der Kinder und Familien in sehr schwierigen Lebenssituationen kontinuierlich an. Gleichzeitig verfügt die BRD über ein sehr differenziertes Hilfesystem, das von den frühen Hilfen bis zu hochintensiven Hilfen im Bereich der Hilfe zur Erziehung reicht.

Die fachliche Diskussion beschäftigt sich mit der Frage: Wie können Entwicklung, Erziehung und Teilhabe als ein gemeinsamer, nicht trennbarer Dreiklang von Entwicklungsaufgaben die Situation von Kindern und Familien in schwierigen Lebenssituationen verbessern? Dabei steht die gelingende, ganzheitliche kindliche Entwicklung als Voraussetzung für ein gutes Aufwachsen zunehmend im Mittelpunkt.

Ulrike Bavendiek, Abteilungsleitung Heilpädagogische Hilfen, Diakonie Düsseldorf
hoppla