WS 01 Drei Tage sind genug… / Oder: Das Politische im Sozialen
Tagesgruppenarbeit zwischen Lebensweltorientierung und Dienstleistung

Das Konzept der Lebensweltorientierung versucht seit den 60er Jahren eine Soziale Arbeit unter den Vorzeichen und der Professionsmaxime der sozialen Gerechtigkeit auszuarbeiten und zu etablieren. Im Zuge der gegenwärtigen politischen Bewegungen und der veränderten strukturellen Rahmenbedingungen der Sozialen Arbeit ist immer stärker von einer Dienstleistungsqualität im Zeichen von Effektivität und Effizienz die Rede. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen sollen in diesem Workshop zunächst verschiedene Theorien der Sozialen Arbeit in ihrem historischen Entwicklungszusammenhang vorgestellt werden, um darin erste Verknüpfungen zu Konzepten professionellen Handelns in der Tagesgruppe zu skizzieren.

Anschließend möchten wir anhand dieser Vorüberlegungen diskutieren und reflektieren, welche politischen Positionen in der Sozialen Arbeit heute wirkmächtig sind und wie sich die daraus abgeleitete Rolle und Funktion der Fachkräfte in Tagesgruppen – sowohl auf institutioneller Ebene als auch im Tagesgruppenalltag – jeweils darstellen könnte.

Janick Stang, Achim Viohl, Tagesgruppe WiesEl, pro juventa, Reutlingen
hoppla
WS 02 So oder so oder auch anders… (Teil I) – Vom Nebeneinander zum Miteinander (Teil II Exkursion)

Teil I

Auf dem Weg zur bindungsorientierten Tagesgruppe – Über die emotionale Stabilisierung zur sozialen Teilhabe

Immer mehr Kinder, insbesondere Schulkinder, haben einen definierten oder vermuteten emotional-sozialen Förderungsbedarf. Diesem Förderungsbedarf wird überwiegend in der Schule mit einer sonderpädagogischen Förderung, Schwerpunkt schulisches „(Nach) Lernen“, begegnet. Das entspricht in vielen Fällen jedoch nicht dem emotional-sozialen Förderbedarf. Emotionale Stabilisierung erfolgt nicht durch Training eines der Umwelt angepassten Verhaltens, sondern durch vielfaches positives Erleben bislang negativ besetzter Situationen.

Die Tagesgruppe ermöglicht Kindern mit benachteiligenden Entwicklungsbedingungen soziale Teilhabe als „Grundrecht“. Dies schafft sie, indem sie dem Kind Gruppenerfahrungen in einer für das einzelne Kind angepassten Form ermöglicht. So kann das Kind wichtige Impulse für seine persönliche Entwicklung daraus ziehen. Die Tagesgruppe muss ein zentraler Ort sein, um positive soziale Lernerfahrungen zu machen.

Das gilt auch für die Familie des Kindes. Hier kann die Tagesgruppe ein eigenständiger Erlebnis- und Orientierungsraum sein.

Der Workshop stellt die Konzeption und die praktische Arbeit der Tagesgruppen der Diakonie Düsseldorf vor. Die Veranstaltung richtet sich auch an Leitende von (heilpädagogischen) Tagesgruppen und bietet die Möglichkeit, über die inhaltliche und strategische Ausrichtung der Hilfeform Tagesgruppe zu diskutieren.

Torben Bruhn, Diakonie Düsseldorf

 

Teil II | als Exkursion

Von der Tagesgruppe zur Lernfamilie, der Jugendhilfe am Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung (SBBZ esENT)

Wir betrachten die Veränderung der Tagesgruppenarbeit und den Aufbau einer Lernfamilie als eine mögliche Antwort auf die Ganztagsschulentwicklung am sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum esENT der Rudolf-Leski-Schule in Tübingen-Pfrondorf. Nach der Vorstellung der Entwicklung (Sophienpflege Evangelische Einrichtungen für Jugendhilfe Tübingen e.V.) werden wir gemeinsam mit dem Leiter des Kreisjugendamtes die Entstehung unseres „Lernfamilienkonzeptes“ vorstellen.

Verdeutlicht wird dabei der integrative Umbau von den Nachmittags-Tagesgruppen des SBBZ zu einem gemeinsamen Ganztagskonzept von Sonderschulpädagogik und Jugendhilfe in einer Trägerschaft. Im Anschluss an die Präsentation und Austausch über das Projekt sind ein Fachaustausch mit den Kolleg_innen vor Ort und die Besichtigung der Räumlichkeiten möglich.

Sebastian Kruggel, Pädagogischer Vorstand Sophienpflege Tübingen
Bernd Hillebrand, Leiter Jugendamt Landkreis Tübingen
hoppla
WS 03 Total vernetzt – digitale Medien in der Tagesgruppe

Familie, Schule, Freizeit – digitale Medien sind allgegenwärtig und prägen die Lebenswelten junger Menschen. Dadurch ergeben sich zwangsläufig neue Herausforderungen für die erzieherischen Hilfen. Insbesondere für die Tagesgruppe, an der Schnittstelle zwischen täglich gelebter medialer Praxis in der Familie und institutionalisierter Hilfe und Förderung, eröffnen sich potenziell neue Möglichkeiten im Rahmen der Elternarbeit, wie auch im Bereich digitaler Bildung. Der Workshop gibt zunächst einen Überblick über die relevanten, digitalen Themenfelder sowie Entwicklungen und nimmt vor diesem Hintergrund die teilstationären erzieherischen Hilfen in den Blick. Aufbauend darauf werden in einem zweiten Teil Projekte und Methoden vorgestellt sowie Ansätze für die Praxisgestaltung erarbeitet.

Jan Graf, Ev. Jugendhilfe Godesheim, Bonn Bad Godesberg
Alexander Hundenborn, Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW, Köln
hoppla
WS 04 Wie viel Gruppe darf’s denn sein? (Exkursion)
Entwicklung und Ausgestaltung von differenzierten und bedarfsorientierten Gruppenangeboten im Sozialraum

Unter dem Dach der Jugendhilfestation Tübingen-Süd haben wir in den letzten Jahren unsere sozialpädagogischen Gruppenangebote sozialraumorientiert und bedarfsgerecht weiterentwickelt. Nicht zuletzt auch als Antwort auf die weiter fortschreitende Ganztagsschulentwicklung im Sozialraum. Neben einer lebensweltbezogenen Tagesgruppe wurde das Konzept der intensiven Sozialen Gruppenarbeit etabliert sowie Angebote der Sozialen Gruppenarbeit in enger Kooperation mit den örtlichen Grund-schulen neu konzeptioniert. Dieses Angebot wird als flexibilisierte Form der Sozialen Gruppenarbeit und als integratives Setting an den Grundschulen angeboten.

In unserem Workshop werden wir den Umbauprozess der letzten Jahre darstellen und die Gelingensfaktoren, aber auch äußere Notwendigkeiten und Stolpersteine aufzeigen. Es besteht zudem die Möglichkeit, in Form eines Spaziergangs durchs Quartier die ausdifferenzierten Gruppenangebote unmittelbar vor Ort kennenzulernen. Ein Schwerpunkt des Workshops wird u.a. die enge Kooperation der Gruppenangebote mit den Schulen sein sowie die Praxis der fließenden Übergänge von einem Gruppenangebot ins andere.

Frank Jeschek, Martin-Bonhoeffer-Häuser
hoppla
WS 05 Schule, Jugendhilfe, Familien – Gemeinsam sind wir stark!
Von der Familienklasse zur Familienschule: Wie mit der Methode Multifamilientherapie eine gute Kooperation gelingt

„We never walk alone“, das Tagungsmotto, wird in der Multifamilientherapie durch das Gefühl von Solidarität und Selbstwirksamkeit in besonderem Maße erlebbar. Wir werden in diesem Workshop vorstellen, wie die Methode Multifamilientherapie in der Jugendhilfe eingesetzt wird. Schwerpunkt wird der Blick auf die Kooperation zwischen Schule, Jugendhilfeträger und Familien sein, orientiert an den Konzepten der Familienklasse und Familienschule.

Sie ermöglicht eine wirksame Kooperation zwischen Eltern, deren Kindern, Lehrkräften und Multifamilientrainer_innen, die in der Regel für einen Träger der Jugendhilfe arbeiten. Neben den konzeptionellen und finanziellen Aspekten werden Einblicke in die praktische Arbeit verschafft und fachlich diskutiert.

Am Beispiel des Albert-Schweitzer-Kinderdorfes Wetzlar wird gezeigt, wie wirkungsvoll dieser Ansatz Familien unterstützen kann. Sie können wieder Selbstwirksamkeit und Wertschätzung erleben und die Dauer von Hilfen lässt sich somit deutlich verkürzen. Zugleich entsteht in der Schule zwischen allen Beteiligten eine Kooperation auf Augenhöhe.

Christian Scharfe, Miriam Straßheim, Albert-Schweitzer-Kinderdorf, Wetzlar
hoppla